Willkommen
bei den
Brandenburgischen
Büchermachern

Unsere Veranstaltungen 2024

5. Messe „Schöne Bücher aus Brandenburg“

20. April 2024

Entdecken Sie Brandenburgs kunstvollste Seiten!

Liebe Bücherfreundinnen und -freunde,
in einem Radiointerview zu den Buchfenstern Brandenburg 2022 bin ich gefragt worden, was Bücher aus Brandenburg besonders macht. Ich habe darauf geantwortet, dass ich in ihnen oft das Entschleunigende reflektiert finde, das das offene Land gegenüber der großen Stadt bezeichnet, dass ich unsere Bücher eher aus der Leidenschaft ihrer Macher und weniger aus wirtschaftlichen Erwägungen und zu haltende Zeitschienen entstehen sehe, dass sie oft mit viel Liebe fürs Detail, vielleicht etwas kunstvoller als üblich gearbeitet und in einigen Fällen eher Kunstobjekte als Bücher sind. Die Auflagen unserer Bücher sind meist nicht groß und manchmal sogar ganz bewusst klein, während es die reinen Buchkünstler von vornherein auf das Vernappte der Unikate und Kleinserien anlegen. Diese Gedanken entsprangen natürlich einem sehr subjektiven Empfinden, das daher rührt, viele Büchermacher des Landes nun über einen Zeitraum von fünf Jahren kennengelernt zu haben. Wir haben uns zu einer kleinen losen Gemeinschaft zusammengefunden, die zu Kollaborationen geführt hat und dem einen oder anderen inspirierend wirkt. Was Bücher aus Brandenburg im Jahr 2023 aber im besonderen bezeichnet, ist der Umstand, dass sie rar geworden sind.

Aus Brandenburg kommen nicht mehr viele Bücher. Über die Rahmenbedingungen wird viel gesprochen, über den Kostendruck, der Büchermacher und Buchkäufer in gleicher Weise quält. Auch über den spürbar werdenden grundsätzlichen Rückzug junger Menschen vom Buch, die bewegte Bilder dem mühsamen Selbstlesen- und Selbstimaginierenmüssen vorziehen. Haptische Bücher werden wohl nun wieder auf die Ebene von Luxusgütern rücken - wir bewegen uns in vielem in finsterstes Mittelalter zurück, wenn auch noch so sehr über Zukunft geschrieben und gesprochen wird. Diese Entwicklung wird an dem Punkt im besonderen bedauerlich, an dem einem das Buch als Bestandteil des ursprünglichsten Kulturgutes der Menschheit und als der unbestechlichste Zeitzeuge der Geschichte zu Bewusstsein kommt. Was einmal gedruckt ist, kann nicht mehr verfälscht oder aus der Welt geschafft werden. Brandenburgische Büchermacher zählen zu den Seismographen und Chronisten der Entwicklung ihres Landes, aber zugleich zu den wichtigsten Identitätsmachern, und das in einem Land, das 33 Jahre nach seinem Neuanfang entmannt um seine historische Hauptstadt noch immer auf der Suche nach Identität ist, wie kein anderes deutsches Bundesland. Da Brandenburg also Bücher nötiger hat denn je, muss man eingestehen, dass sie immer rarer werden.

Dennoch gibt es natürlich neue Titel, mit denen wir uns bei Ihnen gerade vor Weihnachten empfehlen möchten.

Der Potsdamer Buchkünstler ALBRECHT WALTER stellte in diesem Jahr ein Schachtelbuch unter dem Titel UNGEBUNDEN vor. Die durchnummerierte und handsignierte Auflage von 232 Exemplaren verbindet 116 in „Wortbilder“ eingebundene Geschichten aus inneren und äußeren Welten seltsam eigenartiger Wesen wie du und ich oder sie oder er oder es.

Im Aufland Verlag, der sich Themen der ländlichen Oderregion widmet, sind 2023 u. a. das Werkstattbuch Nr. 7 des Oderbruch Museums Altranft unter dem Titel NATUR erschienen, das in 25 Berichten das Thema Natur im Oderbruch behandelt, und die von Kenneth Anders herausgegebenen Berichte über Laufen und Paddeln, Lumomonsterologie und Käfer, Senf, Biber und alte Häuser unter dem Titel Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Bei NATUR+TEXT erschien 2023 die zweibändige Reise in die Antarktis von Karl-Heinz Herhaus. Neben einer Fülle von Naturaufnahmen atemberaubender Landschaften bieten die beiden Bände einen Ratgeber für Kreuzfahrer und Informationen zu Anlandungsstellen.
Mit dem Preis für Tropenornithologie wurden Kai Gedeon und Torsten Pröhl für ihr Buch Noahs Rabe ausgezeichnet. Den beiden Autoren ist auf 320 Seiten eine Mischung aus Bildband und Erzählung über Äthiopiens Landschaften, Pflanzen, Tiere, Ethnien und Sprachen gelungen.

Bei Papierwerken erscheinen zum Jahresende zwei neue Titel. Zum einen ein Bildband mit bisher unveröffentlichten Bleistiftzeichnungen zweier Anverwandter Caspar David Friedrichs, der 2024 250 Jahre alt geworden wäre. Gezeichnet, Gustav und Franz Pflugradt eröffnet eine Zeitreise durch Vorpommern und Mecklenburg aus der Romantik kommend bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Daneben erscheint von Hans Jörg Rafalski mit dem ebenso bibliophil aufgemachten NIEDERFINOW eine 56-seitige Darstellung der Ereignisse um die Frage, ob sich das Schiffshebewerk Niederfinow im Frühjahr 1945 in Gefahr befand, in den Kriegswirren gesprengt zu werden. Das Buch rekonstruiert die Geschichte des Siegeszuges der Roten Armee durch das Finowtal.

Der Cottbuser Buchkünstler RUDOLF SITTNER hat mit dem 56-seitigen Werk HAND-SCHRIFTEN eine Sammlung seiner kalligrafischen Arbeiten vorgelegt. Das Buch ist im Digitaldruck in Kleinserie erschienen.

Bleibt noch zu sagen, dass die 5. Messe "Schöne Bücher aus Brandenburg" in diesem Jahr leider nicht wie angekündigt stattfinden kann. Dafür werden wir am 20. April 2024 im Rahmen einer Themenwoche zum Welttag des Buches in der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam das nächste Mal unsere jüngsten Werke präsentieren.

Und für 2025 kann ich auch bereits die 2. Buchkunstausstellung "Schöne Bücher aus Brandenburg" ankündigen. Nach der Erstausgabe 2019 im Frankfurter Kleist-Museum wird dieses Mal herausragende Buchkunst brandenburgischer Büchermacher im Kloster Chorin zu sehen sein.

Wir Büchermacher wünschen Ihnen und uns ein 2024, in dem es wieder um Worte und Geist anstatt um Waffen und Zerstörung geht.

Hans Jörg Rafalski